1973

Gründung der "Ökognome" als Studentenkabarett an der Ostberliner Hochschule für Ökonomie unter der Leitung des damaligen Berliner-Ensemble-Schauspielers Peter Tepper (heute Intendant und Künstlerischer Leiter des Charly M.).
Die Hochschule trug zwar den Spitznamen "Rotes Kloster", aber ertrug mit freundlicher Toleranz unsere zwar farbgleichen aber total unfrommen Gesänge.

Am 15. September 1990, also kurz vor dem "Tag der deutschen Banane" Eröffnung des professionellen KABARETTS KARTOON in der Französischen Straße. Bis 1998 wurde die Spielstätte bereits als Kabarett mit integrierter Kneipe realisiert. Das Kartoon galt damals als Geheimtipp. Die OSSIS waren stolz auf uns und liebten uns, weil wir gleich nach der Wende immer noch so ein großes Maul hatten. Und die WESSIS, weil wir gleich nach der Wende schon wieder so ein großes Maul hatten. Ost-Kabarett wurde bestaunt und galt als "zoon politikon". Man fuhr rüber in den Osten - entweder in den Tierpark oder ins Kartoon - herrlich exotische Tiere! Wir erinnern uns gerne an die endlosen Diskussionsrunden nach den Vorstellungen. Über Gott und die Welt. Meistens jedoch nahm Kohl die Rolle von Gott ein. Leider war 1998 unseres Bleibens dort nicht mehr.
In diesem Land hat ein Mietvertrag im Gegensatz zur Wurst nur ein Ende. 

 
1990
 
1998

Das KABARETT KARTOON residierte dann von Ende 2000 bis Ende 2003 im Haus am Köllnischen Park. Das war die ehemalige "Parteihochschule Karl Marx" und als Hintertreppenwitz der Geschichte stellte sich heraus, dass in dem Raum, in dem wir unsere kleine Bühne hatten, vormals die Bibliothek der Par-teihochschule war, die man damals scherzhafterweise "Giftschrank" nannte, weil dort die "West-Literatur" zu Studienzwecken ausgeliehen werden konnte.
Politisches Kabarett aus dem Giftschrank - das schien uns eine wunderbare Entsprechung.

Am 12. Dezember 2003 eröffnete das KABARETT KARTOON seine neue Spielstätte in der Axel-Springer-Passage. Realsatire? Nein. Welch wunderbarer Kontrast und Widerspruch. Die "Roten Socken" in der schwarzen "Höhle des Klassenfeinds". Wer denkt da nicht klammheimlich an das mächtige Troja und seine listigen Widersacher.
Und auch im Kartoon war es guter Brauch, dass man, bevor man was für die Unterhaltung von Geist und Seele tut, etwas für den Unterhalt des Leibes tun konnte. Im alten und neuen Zeitungsviertel Berlins fand sozusagen, unter einem Dach, die Wiedervereinigung von politischer Satire und gaumenfreundlichen Zungenlockerungs-übungen statt.

 
2003
 
2007

Der trojanische Krieg gegen Springer fiel aus. Wir haben das Niveau unseres Nachbarn nicht unterbieten können. So tief kann man nicht schießen. Am 01.März zieht der Gauklerkarren mit Sack und Pack, also mit Mann und Weib und allem, was da sonst noch kreucht und fleucht, mit Kabarettisten, Musikern, Regisseur, Autor und Öffentlichkeitsmitarbeiter wieder in den Osten Berlins, in die Karl-Marx-Allee. Das gesamte KARTOON-Ensemble nach langer Odyssee – wieder zu Hause! Herzlich willkommen im Kabarett Charly M.!